Liebe Moskvina, es freut uns sehr, mit dir über deine beeindruckende Installation Drift zu sprechen, die auf innovative Weise klassische Windspiele mit moderner Lasertechnologie kombiniert. Deine Arbeit visualisiert die unsichtbare Kraft des Windes und zeigt, wie neue Technologien unser Verständnis und unsere Wahrnehmung der Natur vertiefen können. Ich möchte dir einige Fragen stellen, um den Entstehungsprozess von Drift und die zugrunde liegenden konzeptionellen Ideen besser zu verstehen.
– Was ist das Interessante an der Teilnahme an einem Licht- und Medienkunstprojekt in Gelsenkirchen? Warum hast du zugestimmt, bei den GOLDSTÜCKEN dabei zu sein?
Für mich vereint dieses Projekt die vielfältigen Aspekte, Positionen und Ausdrücke zu einem mehrdimensionalen Gefüge und wird selbst zum Kunstwerk. Ich bin sehr glücklich, Teil dieser großen Arbeit zu sein, welche die mannigfaltigen Facetten des Lichts, Technologie und visueller Erfahrung zeigt.
– Wie beeinflusst der Kontext von Gelsenkirchen (oder der spezifische Festivalort) deine Arbeit? Gibt es lokale Elemente oder Aspekte, die du einbezogen hast?
Für mich ist Gelsenkirchen eine Stadt, die es zu entdecken gilt, und neben den vielen offensichtlichen Reizen, die diese Stadt bietet, möchte ich das Immaterielle dieser Stadt erfahren, zum einen, um sie besser zu verstehen, und zum anderen, um ein Gefühl für sie zu entwickeln.
– Kannst du uns deinen kreativen Prozess für dieses Werk erläutern, von den ersten Ideen bis zum Konzept und dann zur Umsetzung?
Um einen IST-Zustand eines Ortes in der Realität einfangen zu können, nutzen wir alle Sinnesreize. Zum einen ist dieser Prozess dynamisch: Mit der zu- oder abnehmenden Intensität der Reize können wir die Veränderung in der Umgebung registrieren. Zum anderen werden Reize nach dem Selektivitätsprinzip verarbeitet – und so kommt es häufig vor, dass man sich mancher Umweltzustände nicht bewusst ist. So zum Beispiel ein Luftstrom, der ein fester Bestandteil der Erfahrung eines Ortes ist, und im globalen Kontext der heutigen Zeit mehr Bewusstsein und Beachtung verdient hätte.
Doch wie kann man etwas sichtbar machen, was man an manchen Orten gar nicht merken würde? In Drift wird das fokussierte Licht des Lasers zum Instrument, das die Wechselwirkung der Luftmassen darstellbar macht. In einem Geflecht von Metallschnüren zeigt das reflektierte Laserlicht das Verhalten des Luftstroms in Echtzeit.
– Inwiefern steht diese Arbeit in Bezug zu deiner allgemeinen künstlerischen Praxis oder weichst du von dieser ab?
In meiner Praxis beschäftige ich mich gern mit der Erkundung der natürlichen Ereignisse (Phänomene) und dem Aspekt der Einflussnahme darauf. Medium Licht spielt dabei eine zentrale Rolle für mich.
– Wie gehst du an die Gestaltung von Kunst im öffentlichen Raum heran? Welche besonderen Herausforderungen und Möglichkeiten gehen von dem öffentlichen Raum aus?
Wenn etwas Interessantes entdeckt wird, ist es ein spannender Weg, es dem Publikum zugänglich bzw. verständlich zu machen. Angefangen vom geeigneten Ort bis zur technischen Umsetzung und Präsentation ist es vor allem wichtig, die Idee des Werks stets vor Augen zu halten. Denn wenn die Botschaft “angekommen” ist, kann sie einen weitgehenden gesellschaftlichen Schaffungsprozess in Gang bringen, von dem die gesamte Öffentlichkeit profitieren kann.
– Wie setzt du dich in deiner künstlerischen Praxis mit Licht und Medien als Medien auseinander? Was hat dich dazu bewogen, mit diesen Elementen zu arbeiten?
Licht ist faszinierend und ist für mich ein großer “Spielplatz”, der noch zu erkunden gilt. Es ist außerdem ein starkes Mittel der visuellen Kommunikation, welches eine klare Sprache sprechen kann.
– Welche Technologien setzt du in diesem Werk ein?
Ich verwende in dieser Arbeit Laserlicht.
– Wie wird sich deiner Meinung nach die Licht- und Medienkunst im Wechselspiel mit unserer sich verändernden Welt weiterentwickeln? Welche zukünftigen Richtungen reizen dich in diesem Bereich?
Ich denke, dass wir dank der sich ständig entwickelnden technischen Möglichkeiten noch viele bisher unentdeckte Bereiche erkunden werden. Ich finde 3D-Technologien, wie Hologramme, und KI/Robotik sehr spannend (muss auch gestehen: ich mag den Film Iron Man).
– Inwiefern reagiert deine Arbeit auf aktuelle Spannungen, Konflikte oder Krisen oder reflektierst du diese?
Ich denke, Kunst kann und soll dazu beitragen, den Schöpfungsprozess bei jedem Einzelnen in Gang zu setzen, da Kunst auch ohne Worte verstanden werden kann und als Teil der gesellschaftlichen Kommunikation nicht mehr wegzudenken ist. Es würde viele unserer Probleme lösen, denke ich.
– Was hoffst du, wie die Betrachtenden mit deinem Werk interagieren oder es erleben? Was möchtest du ihnen mit auf den Weg geben? Gibt es andere Werke im diesjährigen Festivalprogramm, die dich besonders interessieren? Hast du Empfehlungen für das Publikum?
Meine Arbeit beleuchtet nur eines der vielen wichtigen Themen unserer modernen Welt. So hoffe ich sehr, das Publikum auf mehr Bewusstsein für die Orte, lokal wie auch global, zu sensibilisieren.
Ich empfehle es wirklich jedem, sich voll und ganz den Goldstücken und den einzelnen Arbeiten anzuvertrauen – diese Tage werden flüchtig.